Aktuelle Aspekte zur Diagnostik und Therapie refluxassozierter Erkrankungen.

Im Rahmen des 2. deutschen Stimmsymposiums in Hamburg, zu dem Prof. Dr. Kai Lorenz als Vertreter der Fachrichtung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde eingeladen war, wurde in eines Rundtischgespräches die Bedeutung des laryngpharyngealen Refluxes aus Sicht der HNO, der Gastro-Enterologie, der Logopädie und Physiotherapie intensiv diskutiert. Neben Prof. Dr. Lorenz nahmen Dr. med. Josef Schlömicher-Thier aus Salzburg, Prof. Dr. Thomas Rösch aus Hamburg und

Jacob Lieberman aus London an der 90minütigen Diskussionsrunde teil.

 

Schwerpunkte der Rundtischdiskussion waren aktuelle Aspekte in der Diagnostik der Refluxeekrankung, der Zusammenhang von Stimmstörungen- und Problemen mit einer möglichen Refluxerkrankung und alternative Therapiemöglichkeiten neben der medikamentösen Therapie mit Protonenpumpenhemmern.

 

Übereinstimmung bestand bei den Teilnehmern, dass eine ausschließlich klinische Untersuchung und Anamnese für die Diagnostik eines LPR  nicht ausreichend ist. Da die Beurteilung refluxbedingter Veränderungen der Schleimhaut ein hohes Maß an Erfahrung erfordert und ein probatorischer Einsatz von PPI unter Berücksichtigung der Kosten und möglicher Nebenwirkung nicht gerechtfertigt erscheint, wurde als objektives Verfahren die oropharyngeale 24h-pH-Metrie gefordert, die als einziges Verfahren speziell im Rachen- und Kehlkopfbereich eine valide und reproduzierbare Messung der Säurebelastung zulässt.

 

Als sehr interessant erwies sich die Diskussion unter dem Aspekt, dass bei vielen Patienten, die beruflich auf ihre Stimme angewiesen sind (neben den typischen Sprechberufen vor allem auch Sänger und Schauspieler), bei Problemen neben der Kehlkopfuntersuchung auch ein möglicher Reflux ausgeschlossen werden muss. Die Erfahrungen von Prof. Dr. Hess, dem ärztlichen Leiter der Hamburger Stimmklinik, und Dr. Schlömicher-Thier, Gründer und Vorsitzender des Austrian Voice Institute,  haben gezeigt, dass vor allem bei Heiserkeit und funktionellen Stimmstörung ein extraösophagealer Reflux eine Rolle spielen kann. In diesen Fällen erfordert die Therapie der Stimmstörung auch eine Diagnostik und Behandlung des Refluxes, die durch den, in diesem Bereich ausgebildeten und apparativ ausgerüsteten HNO-Spezialisten gewährleistet werden kann.

 

Konsens bestand bei den Teilnehmern, dass die Therapie der multifaktoriell verursachten Stimmprobleme ein interdisziplinäres Behandlungskonzept erfordert. Neben der HNO-ärztlichen Diagnostik mit Funktionsuntersuchungen des Kehlkopfes (Videostroboskopie und flexible Endoskopie) und einer objektiven Refluxdiagnostik (pH-Metrie) muss neben der logopädisch und ggf. physiotherapeutischen Behandlung der Stimmstörung und möglicher Gefügestörungen des Halswirbelsäule, auch eine Behandlung des Refluxerkrankung erfolgen.

 

Aktuelle Studienergebnisse weisen darauf hin, dass neben der medikamentösen Therapie mit Magensäurehemmern auch diätetische Maßnahmen sehr erfolgreich sein können. Die Arbeitsgruppe um Dr. Craig H. Zalvan vom Institute for Voice and Swallowing Disorders in Sleepy Hollow, New York konnten zeigen, dass die Refluxprobleme bei Patienten nach einer Ernährungsumstellung auf eine hauptsächlich vegetarische Ernährung plus basisches Wasser teilweise behandelt werden konnten, als mit einer medikamentösen PPI-Therapie. Dies bestätigte auch Dr. Schlömicher-Thier aus eigener jahrelanger Erfahrung.

 

Als Fazit der Rundtisch-Diskussion bestand in der Empfehlung bei Verdacht auf einen laryngo-pharyngealen Reflux eine objektive pH-Metrie durchzuführen, bei Patienten mit Stimmstörung die Möglichkeit eines Refluxes zu berücksichtigen und Stimmstörungen im interdisziplinären Team zu behandeln. Vor Verordnung einer Therapie mit Protonenpumpeninhibitoren (Magensäurehemmern) sollte eine Ernährungsberatung durchgeführt und eine Ernährungsumstellung versucht werden.