Chronischer Schnupfen ist heilbar – Salicylate besiegen

Chronischer Schnupfen im Griff

Schnupfen seit zwei Jahren und kein Ende, so beschrieb Jutta S. ihre Lage. Sprays hätte sie bekommen und kurzzeitig eine Verbesserung erreicht, anschließend hätte man zur Operation geraten. Die führte zu einer Verbesserung der Nasenatmung, der Schnupfen kam jedoch zurück. Die logische Konsequenz eines Allergietests führte zu einem nur teilweise zufriedenstellenden Ergebnis. Bei genauer Beobachtung gab es zeitlich versetzt nach dem Essen überaktive Phasen des Darms mit Druckgefühl im Bauch, eine Ermüdung sowie eine Verengung der Nase durch Schwellung der Schleimhaut.

Die komplette allergologische Untersuchung mit Hautpricktest und Labor führte zu einer erhöhten Aktivität allergischer Entzündungswerte bedingt durch einen Stoffwechselfehler, der bei Aufnahme von Salicylaten zu den oben beschriebenen Beschwerden führt, aber auch Asthma und Nesselsucht auf der Haut auslösen kann. Salicylate sind sekundäre Pflanzenwirkstoffe, die verschiedene Vorgänge in unserem Körper regulieren, unter anderem die Hemmung von Entzündungen sowie die positive Beeinflussung der Blutflußeigenschaften. Sie kommen in fast allen pflanzlichen Nahrungsmitteln vor, besonders stark konzentriert sind sie in scharfen Gewürzen wie Chili, Pfeffer, Curry, aber auch in sauren Beerenfrüchten, in Blattsalaten, sogar im Kaffee sind sie vorhanden.

Liegt eine Überempfindlichkeit vor, werden kleinere Mengen noch normal abgebaut. Beim Überschreiten einer Schwelle verändert sich der Stoffwechsel, dieser reagiert mit der Bildung von Entzündungsproteinen, die an den Schleimhäuten des Atemwegstraktes und des Verdauungstraktes, aber auch in der Haut Entzündungen hervorrufen können. Bezogen auf die Nase kann das ein dauerhafter Schnupfen sein, immer wieder auch von Nasenpolypen begleitet. Schaut man sich Patienten mit einer Kombination Nasenpolypen und Asthma an, so findet sich dieser Stoffwechselfehler bei etwa der Hälfte der Betroffenen.

Eine Überempfindlichkeit gegenüber Salicylaten, zu denen auch Medikamente wie ASS, Ibuprofen, Dicolfenac und Metamizol gehören, tritt häufig erst zwischen dem 30. Und 50. Geburtstag in Erscheinung, etwas häufiger sind Frauen als Männer betroffen. Die fachgerechte Hilfe liegt in der operativen Sanierung der Nase und der Nebenhöhlen mit anschließender Desaktivierungstherapie. Vergleichbar zu Allergien wird hier mit kleinen Mengen ASS eine Toleranz aufgebaut, die in der Lage ist langfristige Folgen mit erneuten Operationen und chronische Lungenerkrankung zu verhindern.

Jutta S. verbrachte für die Einleitung der Desaktivierung zwei Nächte in der Klinik, weil eine Provokationstestung zur Bestimmung des Schweregrades der Überempfindlichkeit auch gelegentlich knapp am Asthmaanfall vorbeiführt. Seitdem nimmt sie täglich eine kleine Menge ASS, wie es in Deutschland über eine Million Herzpatienten auch tun, und kann unabhängig vom Essen frei durch die Nase atmen, ohne ständig diese zähe Verschleimung im Rachen zu haben und morgens erst mal abhusten zu müssen, um die Lunge frei zu bekommen. Sie freut sich, dass sie wieder unbeschwert mit dem Fahrrad fahren kann und genießt die zurückgewonnene Freiheit.