Refluxverursachte Erkrankungen – Diagnostik und Therapie im AREION Zentrum Neu Ulm

Die Häufigkeit von Refluxerkrankungen hat sich in Deutschland in den letzten Jahren verzehnfacht. Aktuelle Zahlen gehen davon aus, dass etwa 8 Millionen Menschen in Deutschland als refluxkrank einzustufen sind. Die Einschränkungen der Lebensqualität bei Reflux für die Patienten wird ähnlich wie bei Angina pectoris eingeschätzt. Als ursächlich für diese Erkrankung werden Funktionsstörungen der Speiseröhrenmuskulatur, Ernährungsfaktoren, Medikamente, Übergewicht, Schlafstörungen, Schwangerschaft, Konsumgifte wie Alkohol und Rauchen angesehen.

 

Als Reflux wird das Aufsteigen von Magensaft in die Speiseröhre bzw. den Rachenraum verstanden. Neben der Magensäure kann das Refluxat auch Verdauungsenzyme wie Pepsin und Gallensäuren enthalten, die stark schädigend auf die Schleimhaut wirken.

 

Die Diagnose und Behandlung der klassischen Refluxkrankheit (GERD, gastroösophagealer Reflux) mit dem Leitsymptom Sodbrennen war bisher die Domäne der Internisten und Gastroenterologen. Allerdings konnte in den letzten 15 Jahren gezeigt werden, dass viele typische Erkrankungen des HNO-Fachgebietes eine refluxbedingte Ursache haben können. Dies gilt besonders für verschiedene Formen der chronischen Kehlkopfentzündung und Heiserkeit, Stimmstörungen, Globusgefühl und Räusperzwang, aber auch für chronische Nasennebenhöhlenentzündungen und Verschleimung im Nasenrachen- und Rachenbereich.  Aber auch Atembeschwerden mit asthmaähnlichen Husten, Schlafstörungen, Mundtrockenheit, Zungenbrennen, Mundgeruch werden mit Reflux assoziiert. Selbst bei Kindern mit rezidivierenden Mittelohrentzündungen konnte in einem Teil der Fälle eine Refluxursache als ursächlich nachgewiesen werden. Und schließlich konnten große Feldstudien zeigen, dass das Risiko an Kehlkopfkrebs zu erkranken bei gleichzeitiger Refluxkrankheit um das 2,4fache erhöht ist.

 

Dies erklärt warum inzwischen der gastroösophageale Reflux (GERD) als Domäne des Internisten vom extraösophagealen bzw. laryngopharyngealen Reflux (EER oder LPR) unterschieden wird.

 

Die Vielzahl von HNO-spezifischen Symptomen und die Manifestation der Magensaftbedingten Störungen im Rachen- und Kehlkopfbereich, hat den extraösophagealen Reflux somit sowohl in Hinblick auf die Diagnostik als auch Therapie zur Domäne der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde gemacht und dass für den HNO-Arzt Kenntnisse,

Diagnostik und Therapie insbesondere des LPR unerlässlich sind.

 

Schätzungsweise 4–10% aller Patienten suchen den HNO-Arzt wegen reflux-bedingten Beschwerden auf und bis zu 50% aller Patienten mit Stimmproblemen oder Beschwerden im Kehlkopfbereich leiden unter einem Laryngo-Pharyngealen-Reflux.

Allerdings ist zu beachten, dass es sich beim LPR und bei GERD um  zwei unterschiedliche Krankheitsbilder handelt, die aber beide durch den Reflux von saurem Mageninhalt hervorgerufen werden. Die Diagnostik und Therapie sowie die Symptome der betroffenen Patienten unterscheiden sich bei GERD und LPR deutlich.

 

Symptome der Laryngo-Pharyngealen-Reflux (LPR)

Die Leitsymptome des Laryngo-Pharyngealen-Refluxes  sind Fremdkörper- (Globus)gefühl und Schluckbeschwerden sowie Heiserkeit.  Weitere typische Symptome sind Räusperzwang, chronischer Husten, Heiserkeit, Dysphonie, Zungenbrennen, postnasale Sekretion, Schleimansammlung im Rachen und Halsschmerzen.

Weiterhin wird der LPR als möglicher Kofaktor für die Entstehung von Asthma bronchiale, obstruktiver Schlafapnoe und chronischer Sinusitis, Mundgeruch und Zungenbrennen diskutiert. So zeigen 35% – 90% aller Asthmapatienten

Zeichen einer Refluxkrankheit und Schlafstörungen liegen bei 75% der Patienten

mit Refluxbeschwerden vor.

 

HNO-Symptome einer Refluxerkrankung
Heiserkeit
Posteriore Laryngitis (Kehlkopfentzündung)
Chronischer Husten
Asthma bronchiale
Schlaf-Apneu-Syndrom
Zahnerosionen/Zungenbrennen
Lungenfibrose
Otitis media, Paukenerguss
Chronische Sinusitis

 

Allerdings schildern die wenigsten Patienten „typische“ Reflux-Symptome wie Sodbrennen, retrosternale Schmerzen, saures Aufstoßen oder nächtliche Refluxbeschwerden.

 

Da die Schleimhaut im Kehlkopf- und Rachenbereich im Vergleich zur Speiseröhrenschleimhaut nicht gegenüber Magensäure geschützt ist, können hier schon wenige Säureattacken (2-4 pro Tag), die von Patienten auch nicht als Sodbrennen oder Aufstoßen wahrgenommen werden, zu massiven Schäden und Beschwerden führen.

 

Diagnostik der Laryngo-Pharyngealen-Reflux

Die Diagnostik des Laryngo-Pharyngealen-Refluxes durch den HNO-Arzt erfordert neben der technischen Ausstattung Erfahrung in der Beurteilung der Beschwerden und der Untersuchungsbefunde.

Es ist von wesentlicher Bedeutung die Leitsymptome zu erkennen und richtig zu zuordnen. Mittels eine speziellen Fragenkataloges können refluxspezifische Beschwerden abgefragt und bewertet werden. Ergeben sich hier Hinweise auf eine refluxbedingte Ursache, muss eine dezidierte hno-ärztliche Diagnostik erfolgen. Diese umfasst die endoskopische Untersuchung der Nase, der gesamten Rachenschleimhaut und des Kehlkopfes sowie der oberen Luftröhre. Weiterhin sollte eine funktionelle Kehlkopfuntersuchung (Stroboskopie) und eine Untersuchung der Nasennebenhöhlen mittels Ultraschall durchgeführt werden. Um die Untersuchungen für den Patienten so wenig unangenehm wie nötig zu gestalten, erfolgt die Endoskopie mit einem flexiblen Pharyngo-Laryngoskop. Empfehlenswert ist weiterhin die Fotodokumentation der Rachen- und Kehlkopfbefunde zur Beurteilung des Therapieerfolges.

Flexible Endoskopie

Endoskopisch lassen sich bei Patienten mit Laryngo-Pharyngealem-Reflux bestimmte Veränderungen im Bereich des Kehlkopfes nachweisen. Als typische Zeichen gelten  Schwellungen (Ödeme) und Rötungen (Erytheme) im Bereich

der Stellknorpel und der Stimmbänder, eine Gewebevermehrung (Hypertrophie) und Entzündungsreaktion der hinteren Kehlkopfbereiche (posteriore Laryngitis). Außerdem können sich Schwellungen unterhalb der Stimmlippen finden, zäher Schleim im Bereich der Stimmbänder sowie Stimmlippenpolypen.

 

Sollte durch diese hno-ärztlichen Untersuchungsbefunde der Verdacht auf einen Laryngo-Pharyngealen-Reflux erhärtet worden sein,  stellt die Messung von Säureattacken den Goldstandard in der Diagnostik des extraösophagealen Refluxes dar. Dies vor einigen Jahren waren diese Messungen mittels 2-Kanal-pH-Metrie in der Speiseröhre des gastro-enterologisch tätigen Internisten vorbehalten, die diese Verfahren auch weiterhin und mit Erfolg in der Diagnose des typischen gastroösophagealen Refluxes einsetzten. Entscheidender Nachteil diese Verfahrens ist jedoch, dass zwar die Säureexposition in der Speiseröhre erfasst wird, die für den Laryngopharyngealen Reflux wesentliche Region der Rachen- und Kehlkopfschleimhaut jedoch unberücksichtigt bleibt. Mit der Methode der oropharyngealen 24-Stunden-pH-Metrie (Säuremessung) kann aber genau in diesem Bereich dokumentiert werden wie häufig und wie lange die Schleimhaut gegenüber Magensaft exponiert ist und damit ein Laryngopharyngealer Reflux bewiesen werden.

 

Säuremessung (oropharyngeale pH-Metrie)

Bei der oropharyngealen pH-Metrie wird eine dünne Messsonde (etwa bleistiftminen dick) über die Nase in den oberen Rachenbereich eingebracht. So kann, ohne den Patienten zu belasten, die Säureexposition der Rachen- und Kehlkopfschleimhaut für 24 Stunden gemessen werden. Nach Abschluß der Messung werden die Ergebnisse ausgewertet. Die Ergebnisse und der daraus ermittelte Schweregrad der Refluxerkrankung geben dem erfahrenen HNO-Arzt die Möglichkeit einen individuellen Therapieplan für den Patienten zu erstellen.

 

Therapie des Laryngo-Pharyngealen-Reflux

 

In den meisten Fällen lässt sich der laryngo-pharyngeale-Reflux medikamentös behandeln. Mit modernen Präparaten, wie den Protonen-Pumpen-Inhibitoren (PPI), stehen sehr potente Medikamente zur Verfügung, die in der Regel eine sichere Therapie der Refluxerkrankung ermöglichen. Diese PPI werden normaler weise als Tabletten oder Kapseln verabreicht. Durch eine Verminderung der Säureproduktion der Magenschleimhaut wird weniger Säure frei, die die Kehlkopfschleimhaut schädigen kann. Allerdings benötigt sowohl die Minderung der Säureproduktion eine gewisse Zeit, wie auch die Heilung der säuregeschädigten Schleimhaut im Rachen- und Kehlkopfbereich. Ein für den Patienten bemerkbarer Therapierfolg tritt so erst nach ca. 3-4 Wochen ein. Dann kann entschieden werden, wie und in welcher Dosierung die Therapie fortgesetzt wird. Der verantwortungsvolle HNO-Arzt wird seine Refluxpatienten deshalb regelmässig nachsorgen, um die Dosierung der Medikamente individuell anpassen zu können. Da aber auch diese Anti-Reflux-Medikamente, wie alle anderen Medikamente auch, nicht frei von möglichen Nebenwirkungen sind, sollte die Therapieplanung auch in Hinblick auf den langfristigen Einsatz individualisiert und überlegt und auf Basis einer gründlichen Diagnostik mit endoskopischer Untersuchung und pH-Metrie durchgeführt werden.

 

pH-Metrie im Areion Zentrum für Medizin und Ästhetik

Die HNO-Praxis im Areion Zentrum verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Diagnostik und Therapie refluxbedingter Erkrankungen im HNO-Bereich.

Neben der Expertise der HNO-Ärzte in Neu Ulm, deren Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Refluxerkrankungen bereits in mehreren internationalen Fachpublikationen und Kongressbeiträgen Beachtung gefunden hat, verfügt die Praxis als eine der wenigen Einrichtungen im süddeutschen Raum über die technische Ausstattung zur oropharyngealen pH-Metrie mit Säureaerosol-Messung und videogestützten flexiblen Endoskopie der Rachen-Kehlkopf und-Luftröhrenregion.

Die Auswertung der pH-Metrie Messung und die Erstellung eines Therapieplanes erfolgt unmittelbar nach der Messung und macht keinen zusätzlichen Praxisbesuch notwendig.

 

Prof. Dr. med. habil. Kai J. Lorenz

Facharzt HNO I spez. HNO-Chirurgie I plastische Operationen I Allergologie

Areion Kompetenzzentrum für Medizin und Ästhetik

HNO Arzt Neu – Ulm

Privatpraxis für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde , plastisch-ästhetische Gesichtschirurgie und Allergologie

www.areion-med.de